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erato presse 34

Jochen Winter
Spuren im Unermesslichen

72 Seiten 14x24cm Engl. Broschur
ISBN: 978-3-87008-141-6
14,80 € [D] / 15,20 € [AU] / 23,50 sFr

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NEU

Die Gedichte des aus fünf Zyklen zusammengesetzten, auf dem Ãtna entstandenen Bandes gleichen architektonischen Mustern, musikalischen Strukturen: Maß, Rhythmus und Klang sind ihnen eingeschrieben. In solcher Ordnung herrscht das Gesetz unaufhörlichen Austauschs, betörender Wechselbeziehung, erahnbarer Harmonie durch polare Wirkungen, ausgerichtet an den Energien und Prozessen, Symmetrien und Normen in Natur und All. Wie dort Materie und Geist untrennbar eins sind, so auch hier, im Gewebe der Silben und Laute: Alles spricht mit allem, spiegelt die zahllosen Abstufungen zwischen den Erscheinungsformen wider, fügt sich ein ins Kontinuum, dessen Teile, ob Wesen oder Ding, von ähnlicher Stofflichkeit und durchgängigem Bewusstsein zeugen. Dieses Abbild unfassbarer Komplexität ruft nicht nur die verlorene Idee einer ursprünglichen Ganzheit in Erinnerung, sondern weist dem Menschen seinen Ort zu. Aufgehoben im Raum, der ihm Daseinsgrund, Orientierung und Sinn gewährt, steht er der Welt nicht mehr losgelöst gegenüber, kann er sie nicht mehr nach eigenem Ermessen aufspalten und zerstören. Aus der wiedergefundenen inneren und äußeren Mitte vernimmt er die Botschaft: Das Ich ist nichts ohne das Andere in mannigfacher Gestalt, ohne die Anerkenntnis des Unermesslichen.

Rezension
»Winters Gedichte sind ein erlesenes Wild für jagende Interpreten. Ihre Filiation sei mit Namen wie Pound, Saint-John Perse, Ungaretti, Neruda angedeutet. Dichterische Erfahrung ist hier die ganz andere Erfahrung; Dichtungswelt ist Anderswelt: eine Antirealität aus Antielementen der vorgefundenen Realität; ihre Sprache ist sowohl Aussen- wie Innenform des dichterischen Seins. Gezielte ›Bedeutung‹ als Einsinnigkeit wäre ihm der Untergang des poetischen Sagens. Er schafft, ›schöpft‹ (in Heideggers Wortverständnis) eine Welt durch Sprache; er befreit sie aus Sprache heraus, in Sprache hinein ... Winters Gedichtwerk ist eine Sphäre, um lange darin zu verweilen; es ist ein Lebensbuch für Geduldige. Seine Sprache ist bei aller Mehrdeutigkeit stets genau.«
Dominik Jost, Neue Zürcher Zeitung

»Die Gedichte sind Leuchtzeichen, die in ›Herzsekunden‹ die Nacht der Epoche im doppelten Sinn erhellen: indem diese Nacht in eindringlichen Bildern erscheint ... wird sie zugleich transparent. Immer wieder musste ich bei der Lektüre dieser schwierigen, aber in jedem Atemzug großartigen Verse an das Wort des von Jacob Böhme beeinflussten Philosophen Franz von Baader denken, das gegen den selbstherrlichen Subjektivismus eines Descartes gesprochene ›Cogitor ergo sum‹: Ich werde gedacht, also bin ich ... Untergang und Neugeburt des lyrischen Ichs vollziehen sich in der wortgewordenen Erfahrung des Gegen- und Ineinanders von Urgestein, Meer und Licht.«
Albert von Schirnding, Süddeutsche Zeitung

»Jochen Winters ungewöhnlich weitgreifendes poetisches und philosophisches Programm beeindruckt, so auch seine Sprache, die es versteht, sich die Sphären des Himmels wie der Erde, der Innigkeit und Sinnlichkeit zu eigen zu machen.«
Elisabeth Borchers, Laudatio zum Ernst-Meister-Preis