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agora schriftenreihe 32

Paul Gurk
Tresoreinbruch
Nachwort mit Dokumentationsteil von Ekkehard Schwerk

208 Seiten 21 x 13 cm Leinen
ISBN: 978-3-87008-097-6
18,50 € [D] / 19,00 € [AU] / 33,00 sFr


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PAUL GURK (1880-1953) schrieb diesen Roman 1935.
Albert, Otto und Robert Maas, drei Brüder, verüben einen raffiniert ausbaldowerten Tresoreinbruch. Albert, der älteste, ist der Kopf des brüderlichen Dreigestirns: "Man soll nicht anständig sein. Man soll leben." Robert, der jüngste, macht den älteren aber Kummer: "Paß auf Albert", sagt Otto, der mittlere, "der Junge entartet. Aus dem wird nichts weiter als ein anständiger Mensch!" Robert verunglückt nach geglücktem Tresoreinbruch tödlich. Das Raffinement der Gauner bei ihrer "Arbeit" und das Geschick, mit dem sie sich dem Zugriff der Polizei entziehen, deutet auf die legendären Gebrüder Sass hin, die Ende der Zwanziger Jahre in Berlin regelrechte Feldzüge auf Tresore und Stahlkammern unternahmen, die Polizei an der Nase herum führten, die Berliner mit Chuzpe und Charme belustigten.
Die historischen Fakten schildert Ekkehard Schwerk: "Die Brüder aus der Birkenstraße Franz und Erich Sass." Gurk verfremdet die Vorlage und beschränkt sich nicht auf die Schilderung der Gaunerarbeit. Er läßt den Geldschrank gleichnishaft werden. Albert, vom Kommissar "Schusterkugel" ins Gebet genommen, sagt: "Wir machen schwere und gute Arbeit. Wo wir hinlangen, ist viel. Es ist gesichert. Von denen hat mich noch keiner überzeugt, daß er ein kleinerer Schuft ist als ich und Otto! Sie sind gerissen und unehrlicher als wir, denn sie lassen ihre Gemeinheit vom Gesetz und vom Staat schützen und nehmen so was vor, was sie Volk heißen." Und "Schusterkugel", der redliche Beamte, als er am Ende im Kampf gegen die Gebrüder Maas unterliegt, quittiert resigniert seinen Staatsdienst: "Gesellschaft, Staat und Ordnung schienen ihm ein zertrümmerter Tresor, die Stahlfächer längst beraubt. Er aber stand davor und bewachte mit dem Einsatz seines Lebens zerrissene Sicherungen und leere Fächer!" Gurk bettet den Tresoreinbruch in eine Nebenhandlung von Gemeinheit, Zynismus, Mord und Selbstmord und Bigotterie, wie sie im Miethaus Nummer 17, wo die Gebrüder Maas als "ehrsame" Vorderhausbewohner gelten, vom Souterrain bis unters Dach und auf dem Hinterhof sich ausleben.
Gurk kannte das.
Der Schriftsteller, Maler und Komponist lebte und litt Zeit seines Lebens in einem Berliner Milieu, das als Schattenseite der Großstadt nur von denen romantisch genannt wird, die auf der Sonnenseite angesiedelt sind. "Tresoreinbruch" ist einer von ungefähr 30 Romanen dieses lange zu Unrecht vergessenen Autors, von dem 50 Bühnenwerke, 53 Novellen, zahlreiche Gedichte, Märchen, Grotesken ebenso ungedruckt blieben wie auch ein beachtliches Werk des Malers und Zeichners Paul Gurk unbekannt sind. Sein Roman "Berlin" wurde zu seinem 100. Geburtstag 1980 als Band 30 der Schriftenreihe Agora und erster Band einer geplanten Werkausgabe wieder aufgelegt. "Tresoreinbruch" ist die zweite Neuentdeckung.

Rezension
Paul Gurks Prosa ist ein literarischer Genuß, ein Plazstück meisterhafter Fabulierkunst.
Deutsche Tagespost