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agora schriftenreihe 16

Max Rychner
Bedachte und bezeugte Welt
Prosa, Gedichte, Aphorismen, Aufsätze

296 Seiten 24 × 13 cm Broschur
ISBN: 978-3-87008-005-1
16,00 € [D] / 16,50 € [AU] / 28,50 sFr



Menge:


Daß Rychner ein Rutengänger ist, der echte Begabungen entdeckt, wo immer sie sich verbergen, ist oft gesagt worden. Er ist es, weil er selbst ein dichterischer Mensch ist und sodann, weil er einen absoluten Sinn für das Unzerstörbare besitzt, weil er mit den Fundstätten vergrabener Schätze vertraut ist, weil das Wissen um diese Schätze für ihn keine Last bedeutet, sondern ein im Licht seines klaren Tages aufleuchtendes Element, dessen geheime Verbindung mit allem Werdenden, allem Zukünftigen er ständig spürt. Nichts von dem, was sich verwirklicht, ist für ihn voraussetzungslos, auch das nicht, was sich scheinbar nur durch das Mittel der Zerstörung anerkannter Werte durchsetzt, - scheinbar -, denn nicht um Zerstörung handelt es sich, das Unzerstörbare ist von ihr unbetroffen; nein, es handelt sich um Verdrängung des längst -, des schon Vorhandenen, durch jeden wahrhaft produktiven Akt, der sich durchsetzt, um augenblicklich selbst Vergangenheit zu werden, bereits schon wieder hemmend für Kommendes. Rychner weiß somit, daß es sich um ein Zurseitedrängen handelt, um Zurückdrängen eines ungeheuer elastischen Stoffes, der jedem Druck standhält, wie alles, was dem Geiste angehört, dessen Energie, sofern sie echt ist, sich immer erhält, um in stets neuen Formen sich eh und je zu offenbaren.

Ob er Paul Valery als Erster den Deutschen vermittelt, ob er früh die Pranke von Bert Brecht erkennt, Joyce in seiner ganzen Tragweite erfaßt oder auf dem Weg über die Herrlichkeit einer völlig eigenständigen Sprache Kafkas seherisch tragische Dimension spürt oder Georges mächtigen Rang voll ermißt oder ob er vor Hofmannsthals ausgewogenem Beharrungsvermögen und seiner beseelten, schwebenden Dichtung Bezauberung verspürt, ob er in Klang und Rhythmus Benns, vorbei am Aufschrei der Verzweiflung, ein eigenes Entzücken erlebt, immer weiß er um die Zugehörigkeit dieser Dichter zu einem Letzten, Ganzen. Wie bewegt schreibt er in einem Brief aus den zwanziger Jahren von dem im mündlichen Gespräch gefallenen Ausspruch eines großen Dichters: « Wie sehr wünschte ich, Einstein würde ´ins Ganze´ aufgenommen!» Einmal schreibt Rychner: Das Universum besteht nicht nur aus sozialen Verhältnissen, psychologischen Fragen und einer ethischen Forderung: höchstes Dichterturn scheint uns an die Fähigkeit der Zusammenschau gebunden, an die Gefühlserfahrung der Ganzheit, der Einheit des Alls.

Wenn wir Rychners kritische Aufsätze und seine freie Produktion zusammenhalten, so wissen wir nicht, wo seine Grenze liegt. Jede seiner Äußerungen ist dichterisch, und wir können nur wünschen, daß beide Teile seines Wirkens, so gegenseitig durchdringend und steigernd, auch weiterhin hohe Erfüllung finden mögen.