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erato presse 6

Otfried Büthe
Sichel versäumter Stunden
Fünf Zeichnungen von Wolgang Klee
Mit einem Geleitbrief von Marie Luise Kaschnitz

110 Seiten
ISBN: ohne
0,00 € [D] / 0,00 € [AU] / 0,00 sFr


vergriffen

Otfried Büthe (1928), der frühere Dramaturg am Schauspielhaus Frankfurt, der sich für die Durchsetzung Bert Brechts und als langjähriger Leiter des Arbeitskreises für moderne Dramatik an der Universität Mainz bleibende Verdienste erworben hat, stellte kurz vor seinem jähen Tod (1970) die vorliegende Sammlung mit 35 Gedichten zur Thematik die Grundfrage nach dem Verhältnis von Leben und Tod zusammen. Es sind Verse von hoher Musikalität und gestochen klaren Bildern, aus dem herben Wissen geboren, daß alles der "Zeitverfall" bedroht, wie ein Gedicht betitelt ist. Wehrhafter Wille eines blanken Verstandes steht meist am Anfang, doch plötzlich auftauchende Gedankensplitter und Erinnerungsfetzen aus einer "verratenen Kindheit" geben den Gedichten eine andere Richtung. "Riß - quer durch." - so beginnt das Gedicht "Oktober", dessen letzte Zeile den Titel des Bandes abgab. Das melancholische Weichbild des Herbstes tritt aus der bangen Ahnung in die Helle des Bewußtseins, "daß nur/noch/wenige Zeit/deine Hand/an diesem/ Rand der Welt/ruht." (Middleburry 1970). Bilder des Übergangs herrschen vor, umrissen schon in Überschriften wie: "Der Schauspieler", "Karneval", "Spätsommer", "Letzte Ausfahrt". Es ist die Erfahrungszone einer Faszination von der Koinzidenz von Nicht-mehr-und Noch-nicht-Sein.
Marie Luise Kasd1nitz spricht von dem "rätselhaften Gleichgewicht von Lebenswillen und Todbereitschaft", die Büthes Gedichte auszeichnen. Marie Luise Kaschnitz benennt damit den Kern einer geistigen Haltung, die eine Wunde in eine Perle zu verwandeln vermag. Wolfgang Klee, als junger Dozent für Kunst und Werkerziehung gab dem Band fünf Zeichnungen bei, die in ihrer zarten Struktur und Suggestion schwebender Gebilde den Gedichten geistverwandt sind.